„Das Leben ist keine Generalprobe, es ist die Premiere.“
Aber was ist, wenn...
- ich gar nicht mitspielen möchte?
- mir das Drehbuch nicht gefällt?
- mir die Gage nicht genügt?
Kann ich mir das Stück und meine Rolle aussuchen?
Es wird immer gepredigt von der Vielzahl der Möglichkeiten die uns unsere Gesellschaft offeriert. Hier nun ein paar Beispiele:
1.Wie kann man die Zeit bis zur Rente sinnvoll füllen? Es gibt laut Wikipedia ca. 29.500 Berufsbezeichnungen in 2.287 Berufsklassen. Auf den ersten Blick eine wirklich tolle Auswahl. Aber welcher 16jährige Schulabgänger weiß denn, was er werden will? Die Möglichkeiten schränken sich natürlich durch den erreichten Schulabschluss und den Notendurchschnitt ein. Auch ein etwaiges Studium kann möglicherweise ausgeschlossen werden, sei es durch die fehlende Finanzkraft der Eltern oder eben den Bildungsgrad begründet. Was soll der Abiturient also werden? Die Auswahl ist fast unbegrenzt.
2.In der heutigen Zeit ist der Wohnortswechsel keine wirkliche Schwierigkeit mehr. Neue Wohnung gesucht, Transporter gemietet und schon zieht man kurz 350km weit. Vielen wollen „einfach nur raus“. Aber wohin? Gerade in Zeiten der Globalisierung ist sogar das Auswandern keine wirkliche Herausforderung mehr (und wird finanziell durch Privatsender unterstützt). Durch was wird man denn noch an den Heimatort gebunden? Familie? Die zieht mit. Freunde? Man findet neue und kann durch die moderne Telekommunikation selbst über Kontinente noch in regem Kontakt stehen. Wo soll der Mensch also hinziehen? Die Auswahl ist fast unbegrenzt.
3.Welches Auto passt zum Fahrer? Die meisten Modelle der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich nur noch durch den Namen. Oft arbeiten die großen Fabrikate zusammen und schmeißen identische, sich nur durch kleinste Details von den Mitbewerbern abhebende Details auf den Automobilmarkt. Und wenn es nur das Logo auf dem Kühlergrill ist. Sicher, die Nischenprodukte halten die Position ihrer Einzigartigkeit. Aber der Großteil des Marktes ist mittlerweile durchzogen von Klonen von Klonen von Klonen. Selbst die Preise mancher Hersteller schrecken in Zeiten der Vollfinanzierung nicht mehr ab. Also bleibt die Entscheidung schwierig. Welches Auto soll der Fahrer kaufen? Die Auswahl ist fast unbegrenzt.
4.Mit wem sollte man eine Partnerschaft eingehen? Wir alle sind austauschbar geworden. Alle achten auf ihr Aussehen, alle versuchen sich modisch zu kleiden, alle streben nach der perfekten oberflächlichen Illusion ein optimaler Partner zu sein und in trauter Zweisamkeit harmonisch miteinander zu leben. Im Grunde passt also fast jede zu jedem oder jeder oder jedem oder jeder zu jeder. Und wenn man sich durch die bröckelnde Fassade wirklich kennen lernt, trennt man sich eben wieder und fliegt zum nächsten Blümchen. Selbst wenn die potenziellen Partner durch optische Auffälligkeiten nicht unbedingt ins gesellschaftliche Beuteschema passen, gibt’s die Möglichkeiten der kosmetischen Chirurgie. Wenn alle Stricke reißen, kann man sich ja noch immer einfach „was hübsches“ aus den Schwellenländer importieren. Welcher Partner ist also der richtige? Die Auswahl ist fast unbegrenzt.
Und so kommen wir zu einem recht aktuellen Problem unserer modernen Kultur:
„Option Paralysis“: Die Neigung, sich bei unbegrenzter Auswahl für nichts zu entscheiden.
Mittwoch, 19. August 2009
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